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TRANSFĂGĂRĂȘAN | StraßeWahrzeichen quer über der Stadt
Transfăgărășan
Sprich: „Trans-Fagarasch-an“
Die Transfăgărășan ist neben der Transalpina Rumäniens zweite Passstraße, die auf über 2000 Meter führt. Im Gegensatz zur harmonischeren Transalpina, die dem natürlichen Geländeverlauf entlang alter Hirtenpfade folgt, ist die Transfăgărășan spektakulärer, weil sie dem Berg regelrecht abgetrotzt ist.
Die Route ist ein 90 km langer Abschnitt der Nationalstraße DN7c von Cârțișoara (500m) bis Curtea de Argeș (450m) und hat ihrem Scheitelpunkt auf 2.042 m im Bâlea-Tunnel. Insgesamt führt sie durch 5 Tunnel, 2 Felsdurchbrüche sowie über 28 Viadukte und 833 Brücken. Die steilere Nordflanke macht etwa 1/3 der Strecke durch das Făgăraș-Gebirge aus und wird auch „Straße der Wolken“ genannt, weil sie oft in tief hängenden verschwindet. Normalerweise ist die Transfăgărășan Juli bis September, ansonsten und auch nachts gesperrt.
Manch Reiseführer erzählt immer noch, sie sei aus militär-strategischen Gründen gebaut worden. Angeblich um nach dem Prager Frühling und der folgenden Invasion der CSSR 1968 eine schnelle Nord-Süd-Verbindung zur Truppenverlegung schaffen. Das war Propaganda – und schon immer Unsinn. Sowohl nicht weit westlich wie östlich gibt es Karpatenquerungen, die schneller und tragfähiger, und vor allem militärisch sicherer sind. Die exponierte Transfăgărășan dagegen ist mit ihren hunderten Brücken viel vulnerabler. Ein einziger Bobentreffer (oder Sabotageakt) hätte genügt, um die Straße für Monate oder Jahre unpassierbar zu machen.
In Wahrheit ist die Transfăgărășan eines von Ceaușescus größen-wahnsinnigen Prestigeprojekten. Er wollte unbedingt die höchste Straße Rumäniens bauen, die dann auch seinen Namen tragen sollte. Deswegen wurden bereits bestehende Pläne einer Hochstraße im Gebiet Gebiet Cerna/Mehedinți verworfen. Denn „seine“ neue Straße musste unbedingt zwischen Rumäniens beiden höchsten Gipfeln verlaufen, dem Moldoveanu und dem Negoiu mit 2.544 und 2.535 m. Problem: Dazwischen befindet sich eine massive, unüberwindliche Felswand. Also ließ der Diktator dort den längsten Tunnel Rumäniens bohren – eine unfassbare Verschwendung während sein Volk unter Mangel und Hunger litt.
Die Bau einer einspurigen Straße begann 1969 am Südhang nahe des Vidraru-Staudamm. Offiziell erst 1970, um eine kürzere Bauzeit zu verkünden. 1971 änderte Ceaușescu die Zielsetzung: Nun sollte eine zweispurige Straße Gebiete für Ski-Ressorts mit über 100 km Pisten erschließen, was allerdings an den Kosten scheiterte. Stattdessen baute man weiter möglichst auf bestehenden Forstwegen, wofür es seit den 1950ern Pläne gab. Gearbeitet wurde im Gebirge vorwiegend von dazu gezwungenen Soldaten, die dafür gar nicht ausgerüstet waren.
Entsprechend hoch war der Blutzoll. Schon die offizielle Angabe von 40 Toten ist für Rumäniens damalige Propaganda erschreckend hoch. Tatsächlich gab es laut Zeitzeugen über 400 Opfer. Um das verschleiern ließ Ceaușescus Krankheiten wie Grippe (sic!) als Todesursache angeben. Offenbar zweifelte er selbst an seiner Glaubwürdigkeit und so trägt die im Herbst 1974 von ihm eingeweihte Straße (die tatsächlich erst 1980 fertiggestellt wurde) doch nicht seinen Namen. Aber er brüstete sich, die „höchste Straße Rumäniens“ gebaut zu haben, weil die fast hundert Meter höher führende Transalpina seinerzeit noch nicht ausgebaut war.<= zurück zur ÜBERSICHT