• PORTO PALERMO | U-Boot-Tunnel
    Albanisch: Bunkeri i Porto Palermos
    In Albanien gibt es zwischen 150.000 und 200.000 Bunker.

    Der vielleicht spektakulärste ist der U-Boot-Bunker bei Porto Palermo. Ein Tunnel von 650 Meter Länge, quer unter einem Berg hindurch, mit atombombensicheren Mega-Portalen. Und mit bemerkenswerter Geschichte: Gebaut wurde er nämlich nicht von den Sowjets, sondern von den Chinesen. Und das kam so ...

    Nach dem II. Weltkrieg war Albanien zunächst vier Jahre mit Jugoslawien verbündet und sollte sogar eingegliedert werden. Aber schon 1948 war Enver Hoxha, Albaniens irrem Diktator, Titos blockfreies Jugoslawien nicht mehr kommunistisch genug. Es kam zum Bruch, Albanien wurde Mitglied des Warschauer Paktes und enger Verkündeter der UdSSR.

    Dank sowjetischer Militärhilfe waren in Albanien nicht nur hunderte MIG‑Kampfjets, sondern auch 12 modernste russische U-Boote der so genannten Whiskey-Klasse stationiert. Diese sollten mit albanischen Mannschaften fahren, und so begannen die Sowjets mit deren Ausbildung.

    Noch vor Abschluss des Programms kam es aber schon wieder zum Bruch mit Moskau. Denn die nach dem Tode Stalins ab 1956 eingeleiteten Reformen verstießen nach Ansicht des Betonkopf-Kommunisten Hoxha gegen die reine Lehre. Die "Entstalinisierung" sah er als so schwerwiegenden Verrat, dass er die Beziehungen zur UdSSR 1961 völlig und zu den anderen Ostblock-Staaten weitgehend abbrach.

    Die Russen beorderten daraufhin "ihre" U-Boote, immerhin ihre einzigen im Mittelmeer, über Gibraltar (wo die Engländer sich reichlich wunderten) in heimische Gewässer zurück. Hoxha aber berief sich auf eine vermeintliche Absprache, nach der die U-Boote mit Abschluss der Ausbildung an Albanien hätten übergeben werden sollen. Da schon vier der zwölf Boote weitgehend mit albanischen Mannschaften besetzt waren, gelang es, diese Boote am Rückmarsch zu hindern. So hatte das kleine Albanien nun also eine eigene U-Boot-Flotte. Die war freilich mangels Ersatzteilen und Logistik nie zu echten Operationen fähig. Die Boote verrotteten alsbald in der Marine-Basis und sind heute reiner Schrott, den man loswerden möchte.

    Nach der Abkehr von Moskau folgte ein Bündnis mit Peking. Und so bauten nun die Chinesen den spektakulären Bunker-Tunnel. Noch vor dessen Fertigstellung kam es allerdings nach Maos Tod (1976) und den chinesischen Reformen auch zum Zerwürfnis mit Peking. Während der ab 1978 folgenden völligen Abkapselung Albaniens baute Hoxha dann den – strategisch ganz nutzlosen – Bunker trotzdem unter großen Anstrengungen fertig. „Sein" Volk hungerte derweil.



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