• Groß-Albanien?
    Über die Hälfte der Albaner lebt nicht in Albanien

    Wo sind die anderen?

    In Albanien leben zweieinhalb Millionen Albaner. Es gibt aber acht Millionen.

    Über eineinhalb Millionen Albaner finden sich im Kosovo, dem faktisch zweiten albanischen Nationalstaat. Im Nachbarland Nordmazedonien lebt eine weitere halbe Million. Im kleinen Montenegro sind es immerhin dreißigtausend. In Griechenland eine halbe Million, in Italien eine ganze. Wobei es dort nicht nur einheimische Minderheiten, sondern auch viele postkommunistische Migranten sind. Jeweils eine knappe viertel Million Migranten lebt inzwischen in Deutschland, den USA und der Schweiz.


    Und woran liegt’s?

    Armut, ein zusammenbrechender Staat, Gewalt und purer Hunger trieben nach dem Ende des Kommunismus seit 1990 zwei Jahrzehnte viele Albaner in die Flucht. Das erklärt die Flüchtlinge.

    Politische Gründe hingegen waren es, warum Albanien schon bei seiner Gründung nur einen Teil der albanischen Siedlungsgebiete umfasste. Ein halbes Jahrtausend war es Teil des Osmanischen Reiches. Nach dessen Zusammenbruch wollte dann eigentlich Serbien die albanischen Gebiete schlucken, um damit eine Seezugang zu haben. Genau das wollten die Zentraleuropäischen Mächte verhindern. Also protegierte man die Gründung Albaniens als Pufferland. Um das leichter zu kontrollieren, durfte es nicht zu groß sein. Und so fand sich nur die Hälfte der Albaner im eigenen Staat wieder.


    Wo liegt das Problem?

    Albanischen Nationalisten scheint die Idee, gemeinsam in einem einzigen Staat zu leben, recht naheliegend. Nicht zuletzt, weil es Großalbanien schon mal gab: Als Deutschland 1943 nach dem Italiens Seitenwechsel Albanien übernahm, schufen die Nazis ein Großalbanien als Vasallenstaat, der alle Siedlungsgebiete und mehr umfasste.

    Heutige Nationalisten hegen als minimale Vorstellung eines Großalbaniens die Vereinigung mit dem Kosovo. Radikalere Kräfte beanspruchen auch Gebiete von Griechenland, Nordmazedonien, Montenegro und sogar Serbien als ethnisches Albanien. Dabei birgt schon die „kleine“ Idee reichlich Sprengstoff. Denn Serbien sieht den Kosovo als eigenes Staatsgebiet. Denn dessen Amselfeld, auf dem man (zusammen mit den Albanern) zeitweilig den osmanischen Vormarsch stoppte, sei heilige (serbische) Erde, die man nie aufgeben dürfe.

    Nur gut, dass sowohl Albanien als auch Serbien in die Europäische Union wollen. Dass die Voraussetzung dafür ist, Grenzen anzuerkennen, dämpf doch manche Erweiterungsphantasien. Offizielle Politik Albaniens ist die Lösung der „albanischen Frage“ durch Beitritt beider albanischer Länder (Albanien und Kosovo) in die EU.



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