• Landestypischer Verkehr
    Besonderheiten auf albanischen Straßen

    Wie also ist er, der albanische Straßenverkehr?

    Anders.

    Um albanischen Verkehr zu verstehen, muss man wissen: Im Kommunismus waren private PKW verboten. Die Geschichte des persönlichen Automobilismus begann hier erst in den 1990ern.

    Albanien-Verkehr-Auto-anschieben



    Geschwindigkeit

    Zunächst einmal fällt auf: Grundsätzlich wird langsamer gefahren, als wir das erwarten. In der Stadt, auf der Landstraße und auch auf der Autobahn. Die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten sind niedriger. Innerorts 40 km/h, auf Landstraßen 80 km/h, auf Autobahnen 90 km/oder 110 km/h. Und selbst die werden oft nicht ausgeschöpft. Man sollte also darauf gefasst sein, dass mancher auf der Autobahn mit gerade mal 50 unterwegs ist. Oder auch Radfahrer mit 20 km/h. Oder Handkarren.

    Und ja, es gibt wir überall auf der Welt auch den ein oder anderen Geistesgestörten, der als irrer Raser unterwegs ist. Aber wie gesagt, im Schnitt geht es eher langsam zu.


    Regelunkenntnis

    Ganz offensichtlich kennen viele die Verkehrsregeln nicht. Insbesondere an Kreisverkehren fällt das auf. Weil jeder irgendwie rein fährt, kommt es oft zu "pulsierenden Verstopfungen": Es stockt. Aber niemand hupt oder regt sich auf. Man fährt halt rein und wartet geduldig, bis sich das Chaos wieder auflöst.

    Auch üblich: Im Kreisverkehr zum Ein/aussteigen halten oder gar für eine Weile parken. Selbst dann, wenn die Polizei direkt daneben steht.


    Kein Empfinden für Fahrdynamik

    Immer wieder fällt auf, dass Verkehrsteilnehmer Geschwindigkeiten anderer Verkehrsteilnehmer kaum oder nicht einschätzen können. Das führt dazu, dass jemand kurz vor einem mit 20 km/h auf die Straße einbiegt, nicht beschleunigt und einen zur Vollbremsung zwingt. Keine böse Absicht, er weißt und kann es nicht besser. Auf auf der Autobahn darf man nicht erwarten, dass der Beschleunigungsstreifen dazu genutzt wird, sich der Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs anzupassen um dann einzuscheren. Ganz im Gegenteil: Im Beschleunigungsstreifen wird gerne angehalten, um Tramper mitzunehmen oder auch Busreisende samt Gepäck ein- oder aussteigen zu lassen. Oder, um seine Waren zum Verkauf anzubieten.


    Große Gelassenheit und Geduld

    Immer wieder erlebt. Irgendwo ist die Straße so zugeparkt, dass man auch mit größtem Geschick nicht mehr durchkommt. Die übliche Reaktion: Nicht hupen, sondern einfach mal ein paar Minuten warten. In der Regel kommt dann jemand, der sein Auto aus dem Weg fährt oder denjenigen holt, der mit seinem Auto wegfahren muss, damit man durchkommt.

    Auch häufig: Auf einer vierspurigen innerörtlichen Hauptstraße wird in zweiter, dritter oder vierter Reihe geparkt. Bis schließlich jemand in der letzen freien Spur anhält, um mal eben zum Geldautomaten zu gehen oder aus einem Laden was abzuholen. Der restliche Verkehr wartet. Und (außer in Tirana) hupt niemand. Warum auch: Er oder sie kommen ja nicht schneller vom Bankomaten zurück, nur weil man selbst hupt.


    Vertrauensvolle Fußgänger

    Immer wieder kommt es vor, dass Fußgänger innerorts einfach über die Fahrbahn gehen, ohne nach den Autos zu schauen. Der Flaneur geht schlicht davon aus, dass der Autofahrer aufpasst und gegebenenfalls anhält.

    Das gilt zuweilen auch für Autobahnen. Da sitzen schon mal Kinder auf der Mittelleitplanke. Oder jemand schleppt seine Einkäufe quer über die Fahrbahn. Gerne kommt einem auch mal ein Mitmensch mit Handkarren (oder auch Fahrrad oder Moped) auf dem Standstreifen entgegen.




    Fazit – Käpt'n Eddys goldene Regeln:


    (1) Fahre selbst, als seien alle anderen Fahranfänger.

    (2) Fahre innerorts, als wäre überall Fußgängerzone.

    (3) Rechne stets damit, dass Deine Geschwindigkeit unterschätzt wird.

    (4) Habe es nie eilig.

    (5) Bleib gelassen. Reg Dich nicht auf, sondern erfreue Dich an der fremden Fahrkultur.





    => Für spezifische Gefahren siehe auch: "Besondere Gefahren im Verkehr"





    <= zurück zur ÜBERSICHT